letzte Loch, Das
Komödie von Achternbusch Herbert
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Nach Ausschwitz keine Lyrik mehr, wie ein anderer A. einst sinnend niederschrieb. Aber da gab es feiertagsredende Politiker : ,Die dunklen Zeiten!" Streitende Historiker. so viele!" ,,Nein, so viele Tote waren es nicht! Viel weniger wenige!" Und auch das dünne, rechtschaffene Feuiliton wortgeölt. Aber es gibt, zum Trost, als Lohn, für die Wut statt des Wahnsinnigwerdens, der Trauer förderlich, der Ohnmacht als Ohnmacht zur Geltung verhelfend eine Farce, einen Herbert-Achternbusch-Film, sein achtes, schwärzestes, vielleicht stärkstes Kino-Werk. DAS LETZTE LOCH, ein Film, getrieben von und erfüllt mit seinem seltenem, starken Saft. Dessen Name: Verzweiflung. Verzweiflung darüber, im ,,Massenmörderland" zu leben, wo das deutsche Gras dennoch wächst, die deutschen lehrer dennoch lehren, die Biertrinker unverzagt trinken, als wäre nie nichts geschehen. DAS LETZTE LOCH: keinAufschrei, sondern ein Dagegenanbrüllen, überschnappend in Trauer und Zärtlichkeit genährt vom Wissen ums Unmögliche. Deshalb, stattdessen die grausigsten Volten, der blutigste Witz, die blödgrausamste Logik. Als herr Nil ("Ich heiße Nil, weil ich durch die wüste geh, durch die Wüste fließe und verdunste") trauert A. tollhäuslerisch um die "sechs Millionen Juden" der KZ-Feueröfen, trinkt sich ins Verderben, da sein Arzt ihm 300.000 Liter Schnaps verschreibt ("Bei 2cl vergessen Sie einen Juden") und stürzt sich dem Kollaps zuvor hellen, gerechten wahnwitzigen Sinns ins Kraterloch des Stromboli, so wie Empedekoles einst bei Hölderlin, dem deutschesten, besser undeutschesten Dichter, in den Ätna sprang. Jener, um im Unendlichen aufzugehen. Dieser, um der Unfähigkeit zu trauern eine irre, also wahre, wirkliche bodenlos verzweifelte Fähigkeit ebendazu entgegenzustellen, d.i. entgegenzuspringen.